3 Fragen an Sebastian Betz

3 Fragen an Sebastian Betz

Sebastian Betz gehört zum Gründungsteam von LIP Invest, wo er als Head of Acquisition & Asset Management tätig ist. Zu seinen Hauptaufgaben gehören die Akquisition und Ankaufsprüfung von Logistikimmobilien sowie die wirtschaftliche Betreuung und Optimierung von Logistikimmobilien, die LIP Invest im Bestand hält. Wir haben Herrn Betz drei Fragen gestellt, die Akteure auf dem Logistikimmobilienmarkt aktuell beschäftigen.

Sebastian Betz

20

.

Feb

2019

Herr Betz, welche 3 Faktoren sind für Sie besonders wichtig, wenn Sie eine Logistikimmobilie zum Kauf bewerten?

Lage, Objekt- und Objektausstattung sowie der Nutzer/Mieter sind die wichtigsten Faktoren und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Die Lage der Immobilie steht bei uns immer an erster Stelle im Prüfungsprozess. Ist die Lage nicht gut, steigen wir auch nicht tiefer in die Prüfung ein. So sollten sich die Objekte nach Möglichkeit in Logistikregionen mit herausragender Verkehrsinfrastruktur, in der Nähe zu Ballungszentren oder Produktionsstätten befinden. Aber auch die Mikrolage ist extrem wichtig für eine gute Logistikimmobilie. Diese sollte nach Möglichkeit weitgehend störungsfrei und ohne Ortsdurchfahrten von der Autobahn aus zu erreichen sein.

Stimmt die Lage des Objekts schauen wir uns das Objekt und die Objektausstattung hinsichtlich der Drittverwendungsfähigkeit ganz genau an. Hierbei sollte die Immobilie auch von ihrer Art und Ausstattung zur jeweils vorherrschenden Nutzungsart in der Region passen, daher entscheiden wir von Fall zu Fall sehr individuell. So ist beispielsweise eine Immobilie mit Heckentladung in einer Logistikregion mit Schwerpunkt in der Automobilindustrie eher ungeeignet, da für die Automotive-Logistik in der Regel eine ebenerdige Andienung benötigt wird. Hallenhöhe, Andienungssituation, Flächenzuschnitt oder Bodenbelastbarkeit sind zwar sehr wichtige Objektkriterien für die Drittverwendungsfähigkeit einer Logistikimmobilie, aber für uns nicht allein maßgeblich für den Erwerb.

Stimmen die Lage und die Objektqualität schauen wir uns abschließend noch den Mieter und die Mietvertragslaufzeit an. Beim Mieter möchten wir vor allem die Nutzung, das Logistikkonzept und die Lieferketten verstehen. Nur so können wir beurteilen, wie wichtig das Objekt und der Standort für den Mieter sind. Stimmen die Lage und die Objektausstattung, kommen natürlich auch kurze Mietvertragslaufzeiten in Betracht, wenn wir keine Bedenken hinsichtlich einer raschen Nachvermietung haben.

Welche Standorte sehen Sie als besonders zukunftsfähig für Logistikimmobilien?

Alle etablierten Logistikstandorte, die in der Nähe zu Ballungszentren und wichtigen Produktionsstätten liegen, bleiben sicherlich zukunftsfähige Standorte für Logistikimmobilien. Dasselbe gilt für Standorte mit herausragender Verkehrsinfrastruktur, d.h. Logistikimmobilien entlang wichtiger Autobahnkreuze, Güterverkehrszentren und internationalen Transportrouten sowie am Stadtrand gelegene Immobilien für KEP-Dienste oder innerstädtische Endkundenbelieferung.

Auf langfristige Sicht könnten auch Standorte wie Rosenheim, Hof, Bayreuth, Regensburg, Straubing, Dresden oder Chemnitz von der neuen Seidenstraße profitieren, hierbei wird aber sehr weit in die Zukunft geschaut. Die chinesische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, aufwendige Logistikstrukturen zu schaffen die China besser mit dem Rest der Welt verbinden sollen und so das nationale Handelswachstum ankurbeln. Die genannten Orte befinden sich alle entlang der östlichen Landesgrenzen von Deutschland und könnten daher langfristig von der neuen Seidenstraße und den eingehenden Warenströmen aus Fernost auf dem Landweg profitieren.    

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Asset Manager aus?

Ich bin davon überzeugt, dass Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zielstrebigkeit kombiniert mit einer hohen Marktkompetenz und dem nötigen kaufmännischen Geschick schlussendlich einen guten Asset Manager ausmachen.

Ich setze mir zum Ziel, zwischen Eigentümer und Mieter stets ein offenes, freundliches und ehrliches Verhältnis zu pflegen. Daher legen wir bei jeder einzelnen Immobilie, die wir betreuen, großen Wert auf den persönlichen und regelmäßigen Kontakt zu den Mietern. Nur so wissen wir stets, was der Mieter braucht und was ihn beschäftigt und wie wir ihm am besten helfen können. Da wir so auf Wünsche, die die Immobilie betreffen, frühzeitig eingehen können, wird die Zufriedenheit der Mieter erhöht.

Der Asset Manager ist für den Fonds und seine Anleger der ausführende kaufmännische Arm auf Objektebene. Die Betreuung von Anlegerkapital bedeutet große Verantwortung und daher wird bei uns jede Verhandlung so geführt, als ob es um das eigene private Geld geht und bis zum Schluss um jeden Cent für den Fonds gekämpft. Speziell für Verhandlungen mit Mietern aus der Logistikbranche ist dies neben einem gesunden Selbstbewusstsein sehr wichtig. Alle Logistiker, mit denen ich in der Vergangenheit verhandelt habe, waren immer enorm starke und äußerst kompetente Verhandlungspartner. Neben dem kaufmännischen Geschick ist vor allem Marktkompetenz und Zielstrebigkeit wichtig, um den Nutzer für sich und das Objekt zu gewinnen – schließlich ist man oft nicht der einzige Anbieter von potentiellen Mietflächen.

Weitere Mitteilungen