Die nachhaltige Logistikimmobilie

Die nachhaltige Logistikimmobilie

Um die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen, muss der weltweite CO₂ -Ausstoß reduziert werden. Da die Logistikbranche in Deutschland stetig wächst, wird es immer wichtiger, auch den ökologischen Fußabdruck von Logistikimmobilien zu verbessern. In diesem Blogartikel gehen wir auf mögliche Maßnahmen ein, durch die Logistikimmobilien nachhaltiger werden können.

Julia Olivia Oechsler

5

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Feb

2019

Hintergrund CO₂-Ausstoß

Im Jahr 2017 lag die weltweite CO₂-Emission bei rund 41 Milliarden Tonnen, was einem Plus von circa 2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Pariser Abkommen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen sieht vor, durch eine schrittweise Reduzierung der CO₂-Emissionen die von Menschen verursachte Erderwärmung auf maximal 2°C zu beschränken.

Die Verwendung fossiler Brennstoffe macht den überwiegenden Teil des weltweiten Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid aus. Neben dem Personen- und Güterverkehr sind auch Immobilien mitverantwortlich. Hier fallen sowohl die Herstellung und der Transport von Baumaterialien als auch der Energieverbrauch aus dem laufenden Betrieb an. Aus diesem Grund tragen auch Logistikimmobilien zur CO₂-Emission bei.

Logistikflächen sind nach wie vor sehr gefragt

Die Nachfrage nach Logistikflächen ist speziell auf dem deutschen Markt ungebremst, was nicht zuletzt am stetigen Wachstum des E-Commerce liegt. Aus diesem Grund wird dem Thema Nachhaltigkeit insbesondere im Neubausegment ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Es gibt diverse Maßnahmen zur Emissionsreduzierung bei Logistikimmobilien. Damit Neutralität auf Objektebene erreicht werden kann, muss das Objekt zusätzlich zum Bezug von grünem Strom mehr Energie produzieren, als es verbraucht.

Welche Faktoren sind für die Nachhaltigkeit einer Logistikimmobilie wichtig?

  • Recycling der Baumaterialien
  • Energieverbrauch im laufenden Betrieb
  • Lage des Gebäudes
  • Flexibilität der Logistikflächen
  • Möglichkeit der Anpassung an veränderte Branchen- und Mobilitätsbedingungen

Objekte, die energieoptimiert und emissionsarm sind, bieten im Vergleich zu konventionellen Gebäuden über die ökologischen Überlegungen hinaus einen wichtigen Marktvorteil. So können beispielswiese Nebenkosten reduziert und die Drittverwendungsfähigkeit erhöht werden. Darüber hinaus lassen sich teure Instandhaltungs- und Investitionsmaßnahmen für spätere Nachrüstungen vermeiden.

Wie wird eine Logistikimmobilie nachhaltig?

Wir haben eine Liste möglicher Maßnahmen, die bei der Planung energieneutraler Logistikimmobilien berücksichtigen werden sollten, erstellt:

  • Verwendung nachhaltiger Baumaterialien
  • Bezug von grünem Strom
  • Einsatz von LED-Beleuchtung
  • Gebäudesysteme
  • Installation von Photovoltaik-Anlagen
  • Installation integrierter Windkraftanlagen
  • Verwendung umweltschonender Heizsysteme
  • Nutzung einer Wärmepumpe
  • Einsatz intelligenter Flächenkonzepte zum Tracken des Energieverbrauchs
  • Blockheizkraftwerke (bei größeren Gewerbeparks)

Speziell der Bezug von grünem Strom externer Versorger ist bei der Bewirtschaftung der Immobilie ein Faktor, der schnell und einfach umsetzbar ist. Andere Maßnahmen hingegen, wie der Einsatz intelligenter Gebäudesysteme und die Installation von Photovoltaik-Anlagen benötigen eine intensive Planung und sind oftmals mit hohen Investitionen verbunden. Im Folgenden gehen wir auf einige der oben genannten Maßnahmen im Detail ein.

Nachhaltige Baumaterialien

Projektentwickler sollten bei den verwendeten Baumaterialien auf nachhaltige Konzepte setzen. Hier müssen sowohl die Herstellung als auch der Transport der Materialien berücksichtigt werden. Beispielsweise wird bei der Herstellung von Stahl und Beton viel Energie benötigt. Stahl kann jedoch weniger CO₂-intensiv produziert werden als Beton. Also sollte geprüft werden, für welche Bauteile Stahl eine praktikable Alternative darstellt. Der Begriff „Embodied Carbon“ bezeichnet die bei der Herstellung und dem Transport der Materialien entstehenden Emissionen von Kohlenstoffdioxid. Um diese zu verringern, sollten Bauunternehmer ihre Materialien von lokalen Anbietern beziehen.

Der Einsatz von LED-Beleuchtung

Neben moderneren Bauarten, die eine maximale Nutzung von Tageslicht erlauben, zum Beispiel durch großzügige Oberlichter und Fensterbänder in der Fassade, spielt auch die Wahl einer energieeffizienten Beleuchtung eine große Rolle.                                                                                                                                                                                                                                                                                Der Trend in der industriellen Beleuchtung geht zu LED: Eine lange Lebensdauer, Energieeinsparung und gleichbleibende Leuchtqualität bieten Vorteile. Gerade im Logistikbereich mit langen Betriebszeiten und entsprechend hohen Verbrauchskosten wirken sich Einsparungen bei den Energiekosten direkt auf die Marge aus. Während Glühbirnen eine durchschnittliche Lebensdauer von ca. 1.000 Stunden haben, kommen „normale“ LED für Innenanwendungen auf rund 50.000 Stunden.

Auch die Entsorgung der LEDs ist umweltschonend. Im Gegensatz zu Energiesparlampen sind LEDs quecksilberfrei, wodurch sie nicht als Sondermüll entsorgt werden müssen. Mit Hilfe eines umweltgerechten Recyclings werden wertvolle Metalle wie Indium oder Cadmium aus den elektronischen Bauteilen der Leuchtdiode herausgelöst, sodass sie weiterverwendet werden können. Das Glas wird teilweise zur Produktion neuer Lampen eingesetzt. Logistiker können hierbei neben der Verbesserung des grünen Fußabdruckes der Immobilie teilweise 60 % ihrer Beleuchtungskosten einsparen. Ein Investment in die Umrüstung auf LED-Beleuchtung amortisiert sich oft schon nach zwei Jahren.  

Die folgende Tabelle zeig eine Übersicht der unterschiedlichen Eigenschaften der Leuchtmittel. Beim Vergleich wird schnell deutlich, dass der Einsatz von LEDs viele Vorteile mit sich bringt.

Vergleich unterschiedlicher Leuchtmittell

Detailliertere Informationen zum Thema LED-Beleuchtung bei Logistikimmobilien finden Sie in unserem Blogbeitrag LED in der Logistikimmobilie.

Die Logistikimmobilie als eigener Energieproduzent - Nutzung von Sonnenenergie

Mit Hilfe von Photovoltaikpaneelen (PV) können Logistikimmobilien eigene Energie produzieren. Zwar sind Photovoltaikanalagen teuer in der Anschaffung und Installation, aber dafür sind die Betriebskosten der einzelnen Module sehr gering. Die Stromerzeugungskosten für Photovoltaikanlagen sind inzwischen niedriger als bei der konventionellen Energiegewinnung auf Basis fossiler Brennstoffe. Darüber hinaus beträgt die Lebensdauer der PVs bis zu 20 Jahre. Überschüssige Energie, die die Immobilie selbst nicht benötigt, kann in das lokale Stromnetz eingespeist werden und unterstützt so die lokale Energieinfrastruktur.

Zudem kann Sonnenenergie in Form von Solarthermie auch zum Heizen verwendet werden. Hierfür muss ein regeneratives Heizsystem installiert werden.

Entwicklung des Anteils erneuerbarer Energien am Netto-Stromverbrauch inkl. Netzverlusten (Endenergie) in Deutschland, Quelle Fraunhofer ISE Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland

Sonderfall: Kühlhalle/Kühlhaus

Eine besondere Herausforderung stellen Kühlhallen dar. Diese sind im Vergleich zu klassischen Logistikimmobilien deutlich energieintensiver, wodurch Entwickler mit einer komplexeren Aufgabe konfrontiert werden, wenn es um die Gebäudekonfiguration mit einem positiven ökologischen Fußabdruck geht. Beispielsweise muss ein besonderes Augenmerk auf die Wahl des Kältemittels gelegt werden, um die Umweltfreundlichkeit der Immobilie zu erhöhen. Zudem kann die Abwärme der Kühlaggregate als Fußbodenheizung für die Flächen verwendet werden, die beheizt sind.

Das DGNB-Zertifizierungssystem

Das DGNB-Zertifizierungssystem dient der objektiven Beschreibung und Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden und Quartieren und ist international anwendbar. Es bewertet die Qualität über den kompletten Gebäudelebenszyklus hinweg. Das DGNB-Zertifizierungssystem bewertet Immobilien ganzheitlich: Das System berücksichtigt sowohl die ökologische als auch die ökonomische Qualität eines Gebäudes. Darüber hinaus fließen Faktoren der soziokulturellen Qualität, also Aspekte, die die Gesundheit, den Komfort und die Sicherheit der Gebäudenutzer berücksichtigen, mit in die Bewertung ein. Auch die technische Qualität, die Prozessqualität und die Qualität des Standortes gehören zu den Kriterien.

Kriterien des DGNB Zertifizierungssystems

Die aktuelle Version zur Bewertung von Logistikimmobilien umfasst insgesamt 33 Kriterien. Die obenstehende Grafik zeigt die prozentuale Gewichtung der einzelnen Teilbereiche.

Insgesamt gibt es vier verschiedene DGNB Zertifikate:

Verschiedene Arten der DGNB Zertifizierung und deren Erfüllungsgrade, Quelle: DGNB

Weiterführende Informationen zum DGNB-Zertifikat finden Sie hier.

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