Cargo sous terrain – Logistik unterirdisch

Cargo sous terrain – Logistik unterirdisch

Wer hat‘s erfunden? Die Schweizer! In der Schweiz soll ein riesiges unterirdisches Tunnelsystem entstehen, welches zur Entlastung der Alpenregion einen Großteil des Güterverkehrs unter die Erde bringen soll.

Julia Olivia Oechsler

23

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May

2018

Worum genau handelt es sich bei dem Logistik-Großprojekt?

Systemübersich Cargo sous terrain (Quelle: Cargo sous terrain)

Cargo sous terrain ist ein vollautomatisiertes unterirdisches Gesamtlogistiksystem, welches das schweizerische Straßen- und Schienennetz ergänzen und an kritischen Punkten entlasten soll. Das innovative Projekt wurde angesichts der Güterverkehrsprognosen, welche einen Zuwachs von 45% zwischen 2010 und 2030 für die Schweiz erwarten, initiiert. Das ausschließlich für Güter vorgesehene Transportnetz ermöglicht eine flexible unterirdische Beförderung von Paletten und Behältern für Pakete, Stückgut und Schüttgut. Zudem ist eine Zwischenlagerung der Waren möglich.

Dreispurige Tunnels unter der Erde verbinden Produktions- und Logistikstandorte mit Ballungsräumen. In der Innenstadt verteilt Cargo Sous Terrain die transportierten Güter zusammen mit Partnern in umweltschonenden Fahrzeugen. Der Initiator des Projekts ist die Cargo Sous Terrain AG, ein Zusammenschluss aus ca. 20 Firmen (u.a. SAP, die Schweizerische Bundesbahn und Credit Suisse).  

Querschnitt Tunnel (Quelle: Cargo Sous Terrain)

Das Gesamtnetz von Cargo sous terrain

Die vom Staat geförderten privaten Investitionszusagen von 100 Mio. Franken sind bereits erreicht. Sobald die gesetzlichen Regelungen stehen, kann mit dem Bau begonnen werden. Die Kosten des Projektes belaufen sich insgesamt auf rund 33 Mrd. Franken und werden nicht vom Staat subventioniert.

Das Gesamtnetz soll sich zwischen dem Bodensee und dem Genfersee mit Ablegern nach Basel und Luzern erstrecken. Der Bau des ersten rund 70 km langen Teilstücks, welches Härkingen/Niederbipp und Zürich verbindet, startet voraussichtlich 2025. Insgesamt wird das Transportnetz aus drei Teilen bestehen und voraussichtlich 2045 fertig gestellt sein.

Karte Gesamtnetz (Quelle: Cargo sous terrain)

City Logistik von Cargo sous terrain

Cargo Sous Terrain befördert Waren gebündelt in Stadtnähe. Für die Feinverteilung der transportierten Güter am Bestimmungsort errichtet Cargo sous terrain ein City Logistik-System, das von sogenannten Hubs in der Nähe von Stadtgrenzen beginnt. Durch den Einsatz umweltschonender Fahrzeuge können die Emissionen in den Ballungsräumen reduziert werden. Zudem ist die Entsorgung und der Transport von Recyclinggut und Abfall in umgekehrter Richtung über dieselben Transportwege vorgesehen.

City Logistik (Quelle City Logistik)

Welchen Nutzen hat Cargo sous terrain?

Die Waren werden unterirdisch über autonom gelenkte Container transportiert. Dadurch werden die Straßen der Alpenregion enorm entlastet und der CO2-Ausstoß und Emissionen verringert. Mithilfe digitaler Steuerung werden die Waren effizient zusammengestellt und der Transport optimiert. Zudem wird das System ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben. Entsprechend wirkt sich das System positiv auf Umwelt und Bevölkerung aus. Durch das Umgehen von Staus und Stoßzeiten kann zudem eine pünktliche und schnelle Lieferung gewährleistet werden.

 

Gegenstimmen zu Cargo sous terrain

Dem Ganzen stehen jedoch sehr hohe Kosten und ein hoher Realisierungsaufwand gegenüber. Zudem gibt es bisher noch nicht die nötigen gesetzlichen Regelungen, sodass mit dem Projekt gestartet werden kann. Das System erlaubt außerdem nur einen Transport von relativ kleinen Gütern mit Maßen von ca. 3 m x 2,4 m x 1,2 m, womit die Logistik-Lösung schnell an ihre Grenzen kommt. Laut Experten sind die bestehenden Logistiksysteme der Schweiz aktuell nur zu Stoßzeiten am Anschlag, weswegen es momentan noch keinen akuten Bedarf an einem derartigen Mamut Projekt gibt. Die Engpässe könnten beispielsweise durch das Aufheben des Nachtfahrverbots umgangen werden. 

 

Die Vorteile von Cargo Sous Terrain auf einen Blick:

· Entlastung der Umwelt, des Straßen- bzw. Güterverkehrs sowie der Innenstadtlogistik

·24/7 verfügbar und nicht von Staus oder Kapazitätsengpässen beeinflusst

· Zielgenaues, pünktliches, konstantes Zu- und Abführen auch kleinster Einheiten just in time

·Direkte Wege zwischen Produktion und Handel

·Effizientere Flächennutzung

·Weniger Lagerfläche

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